Arbeitserziehung


Arbeitserziehung

in der Justizvollzugsanstalt Kassel I

Arbeitserziehung bedeutet ganz allgemein die Vorbereitung auf den Eintritt in die Arbeitswelt. Das heißt zum einen, die Teilnehmenden in ihrer Eigenmotivation zu fördern, eine Arbeit überhaupt bewältigen zu wollen, zum anderen, sie dazu zu befähigen, dies auch zu schaffen. Für die Inhaftierten heißt es zudem besonders, sich von den Wertvorstellungen eines kriminellen Milieus zu distanzieren.

In der Arbeitserziehung wird den Teilnehmenden bewusst gemacht, was ein Leben in der Erwerbs- und Leistungsgesellschaft bedeutet. Dazu gehört, Durchhaltevermögen im Arbeitsverhalten zu entwickeln, fähig zu sein, Arbeitsschritte nachzuvollziehen und in Zusammenhang zu bringen, Arbeitsabläufe selbstständig gestalten zu können, die Prinzipien der Arbeitsteilung zu verstehen, aber auch Kooperationsfähigkeit zu entwickeln. Auch Kreativität und Flexibilität müssen gefördert werden.

Die Teilnehmenden werden an regelmäßig stattfindende Arbeitsabläufe mit festgelegter Tagesstruktur herangeführt. So erlangen sie Grundkompetenzen des Arbeitsalltags und lernen regelmäßiges und pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz. Sie lernen leichte bis mittelschwere handwerkliche Fertigkeiten kennen, verschiedene Materialien, Werkzeuge, Hilfsmittel und den sachgemäßen Umgang damit. Unter Anleitung trainieren sie Strategien, um Probleme lösen zu können und ihr gestecktes Ziel zu erreichen.

Die Ergotherapie in der JVA Kassel I betont die Körperarbeit. Sie hilft den Teilnehmerinnen, ihre Handlungsfähigkeit im Alltag zurückzuerlangen oder zu erweitern. Dabei bezieht die Ergotherapie handwerkliche und gestalterische Prozesse sowie lebenspraktische Aktivitäten und Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken mit ein. Es geht auch darum, verloren gegangene oder verzögerte psychische und physische Funktionen und Fähigkeiten zu fördern. Ziel ist es, die Teilnehmerinnen wieder in das Leben, die Familie, den Beruf und die Öffentlichkeit einzugliedern.
Ausbilderin Marion Lange